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Stichprobenprüfung im Wareneingang: So wird es richtig gemacht (mit Beispiel)

Jeder produzierende Betrieb, der ISO 9001 oder IATF 16949 zertifiziert ist, muss Wareneingangsprüfungen durchführen. Doch wie genau das funktioniert, bleibt vielen unklar — und führt zu den typischen Audit-Findings.

Warum Stichprobenprüfung statt 100%-Prüfung?

Eine vollständige Prüfung aller angelieferten Teile ist in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht sinnvoll. Bei 10.000 Teilen wäre eine 100%-Prüfung ein enormer Aufwand. Die Stichprobenprüfung liefert mit statistisch begründetem Prüfaufwand einen zuverlässigen Qualitätsnachweis.

ISO 9001 Kap. 8.4 und IATF 16949 Kap. 8.4.3 erlauben ausdrücklich die Stichprobenprüfung nach ISO 2859-1 als anerkannte Methode.

Normgrundlage: ISO 2859-1 und ISO 9001 Kap. 8.4

ISO 2859-1 definiert das Verfahren für attributive Stichprobenprüfung: Die Teile werden auf gut/fehlerhaft bewertet, und anhand statistischer Tabellen wird entschieden, ob das Los als Ganzes angenommen oder zurückgewiesen wird.

Praxis-Beispiel: Los mit 500 Teilen, AQL 2.5

Ein Lieferant liefert 500 Schrauben. Prüfniveau II (Standard), AQL 2.5 für Hauptmerkmale.

  1. Losgröße N = 500 → Kennbuchstabe H (aus Tabelle I, Prüfniveau II)
  2. Tabelle II-A, Kennbuchstabe H, AQL 2.5 → n = 50, Ac = 3, Re = 4
  3. 50 Schrauben zufällig entnehmen und prüfen
  4. 2 fehlerhafte gefunden → Los angenommen (2 ≤ Ac = 3)

Losgröße, Prüfniveau, AQL — drei Entscheidungen vor der Prüfung

Losgröße: Die Anzahl Teile in der Lieferung oder Charge. Nicht die gesamte Jahreliefermenge, sondern die einzelne Liefereinheit.

Prüfniveau: II ist der Standard. Änderung nur bei besonderem Anlass (kritische Merkmale → III, sehr zuverlässiger Lieferant mit Freigabe → I).

AQL-Wert: Abhängig von der Fehlerklasse. Kritisch: ≤0.065, Haupt/Major: 1.0-2.5, Neben/Minor: 4.0-6.5.

Ergebnisdokumentation: Was muss ins Prüfprotokoll?

Ein ISO-9001-konformes Prüfprotokoll enthält mindestens:

  • Datum der Prüfung
  • Lieferant und Artikel-Nr.
  • Losgröße, Prüfniveau, AQL-Wert
  • Stichprobenumfang n
  • Anzahl der gefundenen Fehler
  • Entscheidung: Annahme oder Zurückweisung
  • Name des Prüfers
  • Aktuelle Prüfschärfe (normal/verschärft/reduziert)

Für IATF 16949 zusätzlich: Nachweis des Prüfschärfewechsels.

Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

Fehler 1: Stichprobe nicht zufällig entnommen. Teile aus dem oberen Bereich der Palette nehmen — das ist keine Zufallsstichprobe. Die Norm verlangt eine repräsentative Zufallsauswahl.

Fehler 2: Schärfewechsel nicht dokumentiert. Nach 2 von 5 abgelehnten Losen muss auf verschärfte Prüfung umgestellt werden. Ohne Protokoll ist das beim Audit nicht nachweisbar.

Fehler 3: Protokoll in Excel. Excel ist nicht revisionssicher und kennt keinen automatischen Schärfewechsel — beim IATF-Audit ein häufiges Finding.

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